Patellaluxation


 

Kurz zusammengfasst:

 

Patellaluxation ist eine Verenkung der Kniescheibe die bis hin zur Lahmheit führt. Man unterscheidet folgende Grade: 

  • Als PL 0 bezeichnet man Hunde, die frei von Patellaluxation sind.
  • Grad 1: Es besteht eine habituelle (wiederkehrende) Luxation, durch Druck kann die Kniescheibe in Beuge- und Streckbewegung luxiert werden, sie gleitet bei nachlassendem Druck aber spontan in die Trochlea ossis femoris (Patellargleitlager/ Rollfurche) zurück
  • Grad 2: Die Patella kann durch den Untersucher oder das Tier selbst bei gestrecktem Knie luxiert werden – sie gleitet nicht selbständig, sondern durch aktiven Druck oder passive Beugung oder Streckung des Kniegelenks in die Rollfurche zurück.
  • Grad 3: Die Kniescheibe ist permanent nach medial oder lateral luxiert, durch Druck kann sie in das Gleitlager zurückverlagert werden, bei nachlassendem Druck reluxiert die Patella wieder in ihre Ausgangsstellung.
  • Grad 4: Die Patella ist permanent stationär luxiert, eine Reposition ist nicht möglich.
Hunde die davon betroffen sind müssen ausnahmslos von der Zucht ausgeschlossen werden! Das setzt natürlich eine Untersuchung jedes Zuchthundes voraus!

 

Patellaluxation im Detail:

 

Die Patellaluxation (PL) ist eine Verlagerung der Kniescheibe und (sofern sie nicht durch einen Unfall verursacht wurde) ein erblicher Defekt. Das Kniegelenk wird gebildet aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und dem Wadenbein (Fibula). Die Kniescheibe (Patella) ist in die Endsehne der Streckmuskulatur eingelagert, gleitet in ihrer Knochenrinne im Oberschenkelknochen und setzt am vorderen Rand des Schienbeins an.


Weitere Bestandteile des Kniegelenkes sind die Menisken und die Seitenbänder. Die Kniescheibe ist bei den betroffenen Hunden luxierbar, d.h. sie bleibt nicht am vorgesehenen Platz, sondern verlagert sich durch leichten Druck oder gar von selbst nach innen (medial) oder außen (lateral).


Diagnose

 

Um festzustellen, ob ein Hund von PL betroffen ist, kann ein dafür qualifizierter Tierarzt die Patella recht unkompliziert untersuchen. Nach einer Ganguntersuchung wird am stehenden Hund die Stellung der Hintergliedmaßen und die Ausbildung der Oberschenkelmuskulatur beurteilt. Eine schlechte Bemuskelung kann ein Hinweis auf bestehende Lahmheiten sein. Die korrekte Lage der Kniescheibe wird überprüft. Dabei kann Druckschmerz der Patella ein Zeichen einer bestehenden Erkrankung mit einhergehender Knorpelschädigung sein. Die PL wird in vier Grade eingeteilt. Die endgültige Zuordnung des Luxationsgrades der Patella in die Grade 1 bis 4 erfolgt in Seitenlage.


Luxationsgrade der Patella


  • Als PL 0 bezeichnet man Hunde, die frei von Patellaluxation sind.
  • Grad 1: Es besteht eine habituelle (wiederkehrende) Luxation, durch Druck kann die Kniescheibe in Beuge- und Streckbewegung luxiert werden, sie gleitet bei nachlassendem Druck aber spontan in die Trochlea ossis femoris (Patellargleitlager/ Rollfurche) zurück
  • Grad 2: Die Patella kann durch den Untersucher oder das Tier selbst bei gestrecktem Knie luxiert werden – sie gleitet nicht selbständig, sondern durch aktiven Druck oder passive Beugung oder Streckung des Kniegelenks in die Rollfurche zurück.
  • Grad 3: Die Kniescheibe ist permanent nach medial oder lateral luxiert, durch Druck kann sie in das Gleitlager zurückverlagert werden, bei nachlassendem Druck reluxiert die Patella wieder in ihre Ausgangsstellung.
  • Grad 4: Die Patella ist permanent stationär luxiert, eine Reposition ist nicht möglich.

 

Die Untersuchung sollte bei unklaren Befunden am stehenden und liegenden Tier wiederholt werden, wobei immer der schlechteste erhobene Befund für die Beurteilung maßgeblich ist. Der Einsatz von Beruhigungsmitteln kann wegen einer herabgesetzten Muskelspannung zu einer schlechteren Beurteilung führen und ist nur in Ausnahmefällen zu empfehlen. Werden derartige Medikamente eingesetzt, so wird dies im Untersuchungsprotokoll vermerkt. Eine Erschlaffung der Bandstrukturen unter Östrogeneinfluss während einer Läufigkeit kann ebenso zu einer schlechteren Beurteilung führen. Daher sollte die Untersuchung nicht in diesem Zeitraum durchgeführt werden.

 

Hunde, bei denen die Kniescheibe fest in ihrer Position im Gleitlager liegt und nur durch Druck vorübergehend luxiert werden kann, zeigen in der Regel keine Lahmheiten und brauchen auch keine Behandlung. Luxiert die Kniescheibe jedoch spontan während der Bewegung aus dem Gleitlager, so können mit der Zeit Gelenksentzündungen und Knorpelschäden entstehen, die dann auch zu Lahmheiten führen. Die Lahmheiten können sich durch plötzliches Hochhalten des Beines während einiger Schritte bemerkbar machen. Dabei befindet sich die Kniescheibe außerhalb des Gleitlagers. Springt die Kniescheibe in ihre normale Position zurück, wird das Bein wieder normal belastet. Um entsprechende Schädigungen im Gelenk zu vermeiden, ist eine frühzeitige Behandlung empfehlenswert. Dies ist meist nur durch eine Operation des Kniegelenkes mit Vertiefung des Gleitlagers und Versetzung der Ansatzstelle des geraden Kniescheibenbandes möglich. Die Behandlung hängt im Einzelnen von Alter, Rasse und Ausmaß der Veränderungen ab.


Ursachen


Die Ursachen für eine Patellaluxation sind zum Großteil genetischer, zum Teil aber auch umweltbedingter Natur. Eine Kombination aus beiden Faktoren (Gene und Umwelt) ist möglich und evtl. auch für die besonders schweren Fälle mitverantwortlich. Das heißt....


  • ...eine Bindegewebsschwäche kann genetischen Ursprungs sein, ebenso aber eine Folge falscher Ernährung und falscher Haltung.
  • ...ein mangelhaft ausgebildeter Rollkamm kann genetischen Ursprungs sein, ebenso aber eine Folge mangelhafter Ernährung oder falscher Haltung während des Wachstums.
  • ...ein X- oder O-Bein kann ebenso genetischen Ursprungs sein, aber auch eine Folge aus mangelhafter Ernährung und falscher Haltung während des Wachstums.

 

Umwelteinflüsse lassen sich zum Teil durch richtige Haltung und ausgewogene Ernährung beeinflussen. Deshalb ist schon bei Welpen und Junghunden für ausreichende Bewegung auf unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten zu sorgen. Die Entwicklung einer kräftigen Muskulatur, das Skelettwachstum und die dauernde Anpassung der verbindenden Teile werden durch artgerechte Bewegung unterstützt.


Genetische Ursachen lassen sich durch entsprechende Selektion beeinflussen. Bei der Auswahl von Zuchttieren sollte ein Züchter auf genügend Knochenstärke achten, damit Platz für ein tiefes Gleitlager und die Ansatzpunkte von Sehnen und Bändern ist; gute Winkelungen bevorzugen, Hunde mit einer steilen Hinterhand, weichem Rücken oder durchgetretenen Karpalgelenken meiden. Als Welpenkäufer ist es daher ratsam, sich ein Bild von den Elterntieren zu machen. Ebenso ist es bei der Auswahl eines Hundes wichtig, darauf zu achten, ob ein Züchter seine eigenen Hunde auf PL untersuchen lässt und inwieweit er über ein Bewusstsein bezüglich dieser Erkrankung verfügt. Ein seriöser Züchter wird niemals absichtlich / wissentlich erbkranke Tiere in seiner Zucht verwenden. Dementsprechend wird ein seriöser Züchter immer bemüht sein, möglichst lückenlose und umfassende Informationen über die Vorfahren seiner Hunde zu haben, um die Weitergabe erblicher Krankheiten weitgehend zu verhindern.

 

Quelle: Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin