Extremscheckung / Piebald Gen


 

Zum Thema Tücken Extremschecken hat uns Labogen folgende Antwort zur Verfügung gestellt:


 

Extremschecken

 

Mittlerweile ist ein Gentest zur Weißscheckung kommerziell verfügbar. Mit diesem Gentest können zwei Allele auf dem S-Locus getestet werden. Hierbei steht das Allel "ins" für Weißscheckung, das Allel für del für "keine Weißscheckung". Allerdings ist der Erbgang nicht bei allen Rassen gleich. In einer amerikanischen Studie gab es folgende Ergebnisse:

 

Bei einigen Rassen (Collie, Deutsche Dogge, Italienisches Windspiel, Sheltie) scheint eine kodominante Vererbung vorzuliegen, bei ihnen führt der heterozygote Genotyp (del/ins) zu einem typischen gescheckten Genotyp, der so genannten „pseudo-irischen Scheckung“. Bei den meisten anderen Rassen scheint eine dominant-rezessive Vererbung vorzuliegen, bei ihnen ist del (keine Weißscheckung) dominant über ins (Weißscheckung). Unter der Prämisse, dass die kodominante Vererbung nur bei wenigen Rassen vorkommt und dass die meisten Rassen eine dominant-rezessive Vererbung der Weißscheckung haben, könnte ins ein Marker für Weißscheckung mit 95%iger Genauigkeit sein. In der Studie wurde die dominant-rezessive Vererbung für folgende Rassen gezeigt: Cocker Spaniel (Amerikanischer und Englischer), Basset, Border Collie, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Shar Pei, Französische Bulldogge, Deutscher Schäferhund, Deutsche Vorstehhunde, Havaneser, Neufundländer, Pudel, Portugiesischer Wasserhund, Yorkshire Terrier, Bernhardiner, Whippet. Man kann also davon ausgehen, dass extremgescheckte Chihuahuas immer den Genotyp ins/ins haben. Allerdings gibt es auch weniger ausgedehnt gescheckte Chihuahuas mit diesem Genotyp, so dass der Gentest alleine keine sichere Aussage darüber zulässt, ob ein Hund mit dem Genotyp ins/ins ein Extremschecke oder ein Hund mit ausgewogen verteilter Scheckung sein wird. Ebenso wenig ist ins ein Indikator für Taubheit.
 

Die Weißscheckung entsteht durch eine verzögerte bzw. unterdrückte Auswanderung der Pigmentzellen in die Haut während des Embryonal- und Fetalstadiums. Auch im Innenohr befinden sich Pigmentzellen, die für die Schallweiterleitung wichtig sind. Man vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Fehlen dieser Pigmentzellen und dem Auftreten der Taubheit bei Hunden mit einer ausgedehnten Weißscheckung. Bislang ist noch kein Gentest explizit für die Taubheit verfügbar, es wird aber daran geforscht. Man geht aber davon aus, dass der Ausmaß einer Weißscheckung in Verbindung mit dem Auftreten von Taubheit steht.
 

Interessant in diesem Zusammenhang ist für Sie evtl. eine Studie von Prof. Distl aus Hannover, der sich mit der Taubheit beim Dalmatiner befasst und aktuell auch Züchter anderer Rassen sucht, um die Ursachen der Taubheit (insbesondere in Zusammenhang mit Weißscheckung) zu erforschen und ggf. einen Gentest zu entwickeln:
Es gibt auch einen Forscher in den USA, der sich intensiv mit dem Zusammenhang Weißscheckung und Taubheit befaßt, Dr. Strain (http://www.lsu.edu/deafness/deaf.htm), evtl. wäre er auch ein interessanter Ansprechpartner für Sie.

 
Fazit
 

Derzeit ist es leider noch nicht möglich, eine Vorhersage per Gentest zu treffen, ob ein Hund mit Weißscheckung taub ist bzw. Taubheit vererbt oder ob ein dilute Hund an CMA erkranken wird.

 

Ich vermute, dass es nicht möglich ist, extremgescheckte Hunde ohne Taubheitsrisiko zu züchten. Die Empfehlung lautet daher, nicht auf Extremscheckung zu selektieren.

 

Bei der Dilution wäre meine Empfehlung, nicht gezielt auf blaue (bzw. dilute) Hunde zu selektieren. Hier mehr.

 

Beim Chihuahua gibt es eine so große und schöne Farbpalette, dass man nicht mit den drei "Risikofarben" Extremscheckung, dilute und merle züchten muss.

 

Text: Dr. Anna Laukner